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Was sind Tierversuche und warum werden sie immer noch durchgeführt?

Hier erfährst du, was genau Tierversuche eigentlich sind, warum sie in der Kosmetikherstellung eingesetzt werden, wie sie ablaufen können und was es für Alternativen zu Tierversuchen gibt. Außerdem findest du Informationen zu rechtlichen Grundlagen und Richtlinien innerhalb der EU und Deutschland.

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Was sind Tierversuche?

Mit Hilfe von Tierversuchen soll im wissenschaftlichen Kontext die Sicherheit und Wirksamkeit von Substanzen, Medikamenten und Therapiemöglichkeiten am lebenden tierischen Organismus sichergestellt werden, bevor Präparate und Verfahren am Menschen eingesetzt werden.

Durchgeführt werden Tierversuche hauptsächlich von Pharmaunternehmen, Forschungseinrichtungen und Universitäten aber auch von darauf spezialisierten Dienstleistungsunternehmen. Eingesetzt werden für Tierversuche hauptsächlich kleinere Wirbeltiere, welche oft ausschließlich für diesen Zweck gezüchtet werden.

Im Jahr 2005 wurden schätzungsweise zwischen 58 und 115 Millionen Mäuse, Ratten, Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster, Frettchen, Katzen, Hunde und Primaten für Tierversuche eingesetzt.
Oft sterben diese Tiere während der Laborversuche oder werden anschließend getötet.


Wie läuft ein Tierversuch für die Kosmetikherstellung ab?

Im Rahmen der so genannten Verträglichkeitsprüfung von kosmetischen Produkten werden einzelne Inhaltsstoffe oder Endprodukte noch immer auf verschiedene Weise an lebenden Tieren getestet, obwohl es zu diesen Tests viele moderne Alternativen ohne Tierleid gibt.
Welche verschiedenen Tests immer noch an Tieren durchgeführt werden und wie diese ablaufen können, kannst du in diesem Abschnitt lesen.
Über die Alternativen zu Tierversuchen kannst du in unserem Artikel zu alternativen Verfahren zum Tierversuch erfahren.

  1. Toxizitätstests

    Um herauszufinden, ob ein Stoff toxisch (giftig) auf einen Organismus wirkt, wird dieser Stoff den Testtieren einmalig oder über eine längere Zeit über eine Magensonde verabreicht, sodass er vom Tier verstoffwechselt wird und in den Blutkreislauf gelangt. Hierzu werden oft Kleintiere wie beispielsweise Ratten, Kaninchen oder Meerschweinchen verwendet.
    Das Versuchstier wird dann über einen gewissen Zeitraum regelmäßig untersucht und beobachtet, um Veränderungen des Gesundheitszustands und des Verhaltens festzustellen.
    Reagiert das Tier auf den Stoff, kann das je nach Giftigkeit der Substanz zu Fieber, Durchfall, Lähmungen oder dem Tod des Tieres führen.

  2. Draize-Test

    Der Draize-Test dient dazu, festzustellen ob ein Stoff bei Kontakt mit Schleimhäuten wie Augen, Nase oder Mund Reizungen hervorruft.
    Hierzu wird die zu testende Substanz in die Augen von Kleintieren (meist Kaninchen) gegeben. Oft werden dazu die Köpfe der Tiere fixiert, um zu verhindern, dass die Tiere die Stoffe aus ihren Augen reiben. Nach einer gewissen Zeitspanne werden die Augen der Tiere kontrolliert, um das Reizungspotential des Teststoffes zu bestimmen.
    Wenn es zu einer Reaktion kam, leidet das Tier an unterschiedlich stark ausgeprägten Entzündungen oder Verätzungen des Auges und erblindet oft im Rahmen dieser Tests.

  3. Hautreizungstests

    Das Reizungspotential von Stoffen bei Kontakt mit der Haut wird im Tierversuch oft an kleineren Wirbeltieren wie Kaninchen oder Meerschweinchen untersucht.
    Hierfür wird ein Hautbereich am Rücken des Tieres geschoren und anschließend die zu testende Substanz aufgetragen.
    Wenn die Substanz reizend auf die Haut wirkt, entstehen an den betroffenen Stellen schmerzhafte oder jugende Exzeme, Entzündungen oder Verätzungen.

  4. Phototoxiditätstests

    Im Rahmen von so genannten Phototoxidtätstests soll überprüft werden, ob eine Substanz in Kombination mit UV-Strahlung eine Reaktion im Organismus hervorruft.
    Hierzu wird im Tierversuch der Stoff wie beim Hautreizungstest auf einen vorher geschorenen Hautbereich aufgetragen. Anschließend wird das Tier in eine lichtdurchlässige Plastikröhre gesteckt und mit UVA-Licht bestrahlt.
    Wenn die Strahlung eine Reaktion hervorruft, erleidet das Tier Entzündungen, Verätzungen oder Verbrennungen unterschiedlicher Stärke.

  5. Teratogenitätstests

    Die Frucht- oder Keimschädigende Wirkung von Substanzen wird im Rahmen von so genannten Teratogenitätstests überprüft.
    Dabei werden die entsprechenden Substanzen trächtigen Kaninchen, Ratten oder Meerschweinchen verabreicht. Diese trächtigen Muttertiere werden anschließend nacheinander in regelmäßigen Abständen getötet und untersucht, um festzustellen, ob der zu testende Stoff dem Muttertier oder den Embryonen schadet oder zu Missbildungen oder Totgeburten führt.

  6. Hautabsorptionstests

    Beim Hautabsorptionstest soll festgestellt werden, ob eine Substanz über die Haut aufgenommen wird und anschließend im Organismus nachweisbar ist.
    Im Tierversuch wird dafür ein Hautbereich des Tieres mit der entsprechenden Substanz bestrichen. Das Versuchstier wird anschließend über einen längeren Zeitraum in einem so genannten Stoffwechselkäfig gehalten, in dem seine sämtlichen Ausscheidungen auf die Testsubstanz untersucht werden. Auch werden regelmäßig Blutproben des Tieres entnommen.
    Je nach Substanz kann es im Organismus des Tieres hierbei zu unterschiedlichsten Gewebe- und Organschäden und Schmerzen kommen.

  7. Kanzerogenitätstests

    Um im Tierversuch zu überprüfen, ob eine Substanz krebsauslösend ist, werden so genannte Kanzerogenitätstests an kleineren Wirbeltieren durchgeführt.
    Dabei wird die Substanz den Testtieren über die Haut, Magensonde oder Injektionen verabrecht. Anschließend wird in regelmäßigen Abständen kontrolliert, ob ein Tier Tumore oder andere Zellveränderungen entwickelt.
    Wirkt ein Stoff kanzerogen, leiden die Versuchstiere oft an schmerzhaften und tödlichen Tumoren unterschiedlichster Organe und Gewebe.


Tierversuche für Kosmetik in Deutschland und der EU

Kosmetische Endprodukte wie zum Beispiel Körperpflege und Makeup dürfen in Deutschland seit 1998 nicht mehr an Tieren getestet werden.

In der EU sind Tierversuche für diese Endprodukte seit 2004 verboten. Seit dem 11. Juli 2013 gilt zudem die EG Verordnung Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel in allen EU-Mitgliedsstaaten. Die Verordnung verbietet Tierversuche zur Herstellung von neuen Kosmetikprodukten grundsätzlich, sofern zufriedenstellende wissenschaftliche Alternativen zur Sicherheitsprüfung zur Verfügung stehen. Auch verbietet sie die Einfuhr von an Tieren getesteten Kosmetikendprodukten in die EU seit 2013.

Leider bedeutet aber dieses Verbot von Tierversuchen zur Herstellung von Kosmetik- und Pflegeprodukten nicht, dass alle in der EU erhältlichen Kosmetika tatsächlich tierversuchsfrei sind. Denn auch wenn das Endprodukt nicht mehr im Tierversuch getestet werden darf, unterliegen viele Inhaltsstoffe in Körperpflegeprodukten der EU-Chemikalienrichtlinie und dürfen somit am Tier getestet werden. Dies liegt unter anderem daran, dass viele Inhaltsstoffe nicht nur in Kosmetik und Pflege sondern auch in der pharmazeutischen Produktion eingesetzt werden. Hier greift die EU-Kosmetikrichtlinie und ihr Verbot von Tierversuchen leider nicht.

Wer also aus ethischen, sozialen oder ökologischen Gründen auf an Tieren getestete Produkte verzichten will, muss oft genauer hinsehen und hinterfragen, welches Unternehmen welches Produkt herstellt und ob dieses Unternehmen oder seine Mutterunternehmen mit Tierversuchen arbeiten oder nicht.


Tierversuche in China

Das chinesische Recht verlangt nach wie vor eine Sicherheitsprüfung im Tierversuch für jedes Kosmetikprodukt, das auf dem chinesischen Festland verkauft werden soll, sowie für jeden einzelnen Inhaltsstoff, der im Produkt enthalten ist.

Das bedeutet, dass jeder Hersteller, der seine Kosmetik auf dem wachsenden chinesischen Kosmetikmarkt verkaufen möchte, seine Produkte von der zuständigen chinesischen Behörde CDFA gegen Bezahlung im Tierversuch testen lassen muss. Und zwar völlig unabhängig davon, ob das Endprodukt oder die Inhaltsstoffe vorher schon im Tierversuch oder einem anderen Verfahren zur Sicherheitsprüfung für unbedenklich erklärt wurden.

Auch Alternativen zum Tierversuch, welche beispielsweise in der EU oder Indien bereits gängige Praxis sind, werden von den chinesischen Behörden zum größten Teil nicht anerkannt oder aus Kostengründen nicht durchgeführt. In Folge dieser Gesetzgebung werden jährlich schätzugsweise etwa 58 Millionen Tiere für Tierversuche der Kosmetikindustrie in China eingesetzt.

Eine Ausnahme von der Tierversuchs-Regelung gilt nur für diejenigen Hersteller, welche ihre Produkte ausschließlich per Onlineshop anbieten, also keine physischen Geschäfte auf dem chinesischen Festland haben sowie für die Stadt Hongkong als ehemalige britische Kolonie. Wer nur dort seine Produkte in Läden anbietet, ist nicht zum Tierversuch verpflichtet.

In der Konsequenz bedeutet Chinas Tierversuchspolitik, dass alle Kosmetikhersteller, welche auf dem chinesischen Festland Läden besitzen, wissentlich ihre Einwilligung zum Test ihrer Produkte und ihrer Inhaltsstoffe an Tieren geben. Kosmetik und Körperpflege dieser Hersteller kann also nicht als tierversuchsfrei gelten.

Ob ein Unternehmen aktuell in China verkauft, ist also oft ein guter erster Indikator, wenn man feststellen möchte, ob dieses Unternehmen Tierversuche durchführt oder nicht.


Alternativen zu Tierversuchen

Es gibt mittlerweile eine Reihe von modernen und vielversprechenden Alternativen zu Tierversuchen, die ohne den Einsatz lebender oder toter Tiere im Labor auskommen. Diese Verfahren sind oft sogar aussagekräftiger, genauer und damit sicherer als Tierversuche.

Zellkulturverfahren

Das Zellkulturverfahren ist ein heutzutage weit verbreitetes Verfahren zur Kontrolle der Wirkung von chemischen Substanzen und Medikamenten. Hierzu werden menschliche oder tierische Zellen im Labor so kultiviert, dass sie lebendes Gewebe, Organe oder ganze Organsysteme nachbilden können.

Tests von Medikamenten und Substanzen an diesem künstlichen Gewebe sind teilweise sogar noch aussagekräftiger als Tierversuche, weil Versuche mit dem Zellkulturverfahren flexibler, genauer und besser reproduzierbar sind.

Bildgebende Verfahren und Computersimulation

Bildgebende Verfahren wie zum Beispiel Ultraschall und Kernspintomografie sowie Computersimulations-Verfahren helfen bei der Risikobewertung und Sicherheitsprüfung von Medikamenten, chemischen Substanzen und Behandlungsmethoden.

Diese Verfahren können beispielsweise zeigen, wie genau Wirkstoffe von Organen und Gewebe aufgenommen werden und sind in der Lage, krankhafte Gewebeveränderungen sehr detailliert darzustellen. In Kombination mit dem Zellkulturverfahren bieten bildgebende Verfahren eine sehr hohe wissenschaftliche Genauigkeit und Sicherheit.

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